>>Welser Geschichten # 3<<

Von Ella Regenfelder:

„‚Als Aktivist in Syrien gab es für mich kein menschenwürdiges Leben mehr. Sie sperrten mich ein, brachen mir fast alle meine Knochen, unter anderem drei Rippen. Einige Zähne schlugen sie mir aus und jeder einzelne Fingernagel wurde von ihnen herausgerissen.

Als ich endlich aus der Gefangenschaft gerettet und befreit wurde, war meine Frau nirgends auffindbar, so wurde mein Beschluss, das Land zu verlassen, besiegelt. Wenn man in Syrien bleiben will, muss man entweder ein Kämpfer sein, oder du bist ein toter Mensch. Es gibt keine Schulen, keine Krankenhäuser, allgemein keine Häuser mehr. Wir hatten und haben nichts zu essen und nichts zu trinken. Wenn wir beschlossen, ein wenig Wasser zu trinken, starben wir daran, da das Wasser so verschmutzt und vergiftet ist und es keine Medikamente gegen die Krankheiten mehr gibt.

Vor vier Jahren flüchtete ich aufgrund meiner Todesangst. Das Boot, in dem ich von der Türkei nach Griechenland saß, ging mitten im Meer unter. Wir mussten drei Stunden lang im eiskalten Wasser auf gut Glück Richtung Festland schwimmen. Rund um mich ertranken die Menschen, zwei Männer und drei Kinder konnte ich nicht mehr retten. Ein Kind legte ich auf meinen Rücken, wo es sich festhielt, ein anderes klemmte ich mit einer Hand an mich, um es vor dem Tod zu retten. Als wir nach drei Stunden endlich von der Wasserrettung entdeckt und aus dem kalten Wasser gezogen wurden, sagte mir der untersuchende Doktor, wenn ich noch eine halbe Stunde länger geschwommen wäre, wäre ich an Organversagen wegen der Kälte gestorben.‘

Diesen Ausschnitt erzählte mir einer der Flüchtlinge, die Anfang Oktober in der Welser Messehalle übernachtet haben. 17 Jahre lang unterrichtete dieser Syrer Englisch an einer höheren Schule, bis der Krieg ausbrach und er sein Leben zurücklassen musste. Sein Ziel ist es, in Großbritannien ein friedliches Leben zu führen, da er sich dort problemlos verständigen kann.“

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>>Welser Geschichten # 2<<

Von Lisa:

„David und ich haben dieses Jahr unsere eigene Webdesign Agentur gegründet, deshalb haben wir sehr wenig Zeit für jegliche Aktivitäten, die nicht mit Arbeit zu tun haben. Ist zurzeit einfach unser Lebensmittelpunkt. Da wir aber in dieser Situation auch unbedingt was tun wollen, haben wir lange gegrübelt, wie wir das mit unserem derzeitigen Leben am besten vereinbaren können. Dann kam uns die Idee – wir könnten einem Flüchtling, der sich für Web-Programmierung interessiert, ein Praktikum anbieten. Dieser Gedanke kam in etwa zeitgleich mit dem Email einer Flüchtlingsbetreuerin, die ein „Platzerl“ für einen IT-interessierten Flüchtling aus dem Irak gesucht hat. Wir haben uns so gefreut – weil der Zeitpunkt einfach perfekt war. Das war Ende August. Anfang September ist Ahmed mit seiner Betreuerin zu uns gekommen, um uns kennenzulernen. Wir waren uns einig und haben ihm das Volontariat (einzige legale Möglichkeit für uns) angeboten. Seit 1. Oktober ist Ahmed nun offiziell bei uns und wird bis Jahresende bei uns lernen, wie man Webseiten programmiert. Die anfänglichen Berührungsängste mit unserem Bürohund Einstein sind auch schon verflogen – da hat sich eine neue Freundschaft gebildet 🙂

Wir helfen aktiv zwar nur einem einzigen Menschen, aber wir haben das Gefühl, es macht ihn unheimlich glücklich, denn Ahmed bedankt sich jeden Abend vor dem nach Hause gehen für die Chance. Und wir freuen uns jeden Abend, dass wir ein bisschen zur Integration beitragen können.“

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>>Welser Geschichten # 1<<

Das Foto dieses neugeborenen Babys wurde vorige Woche in der Notunterkunft in der Welser Messehalle aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war das kleine Mädchen fünf Tage alt. Geboren auf der Flucht aus Syrien. Zur Welt gekommen in Mazedonien. Ihre Mutter musste sich sofort nach der Geburt wieder auf den Weg machen. Hier angekommen waren die Eltern unendlich dankbar.
Wir wünschen ihnen vor allem eine friedliche Zukunft!

Im Arm gehalten wird das kleine Mädchen von Sandra Schmidt (Rotes Kreuz Wels).

Vielen Dank für das Foto Helena Tupá.

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